Schockgefrohren.

Diese Stille ist unerträglich. Das kaum zu vernehmende Brummen der Kühlgeräte wird nur durch das aufspringende Knacken meiner Fuß- und Fingernägel unterbrochen. Ich spüre die Kälte nicht. Ich habe auch keine Angst in diesem engen Fach. Meine Glieder lassen sich nicht bewegen, meine Augen sich nicht öffnen, aber ich höre noch. Ich höre nichts außer einer zuschlagenden Tür weit entfernt.
Alles im Leben hat Konsequenzen, jedes kleine Detail. Doch für sie war es kein kleines Detail, als ich nach diesen faszinierenden Nächten vor ihr stand und ging. Ich hatte den Kontakt eiskalt abgebrochen um wieder allein zu sein, mit allen Optionen offen. Ich hatte den Kontakt schockgefroren und jetzt hat sich die Situation gedreht.
Jetzt habe ich meine Ruhe und keine Optionen mehr offen. Das ist sicher genau das was sie will. Ich wusste nicht das sie Notärztin ist, bis sie nach diesem Unfall heute aus dem Krankenwagen stieg. Ich lag mitten auf der Straße und konnte mich nicht bewegen. Dennoch wusste sie dass ich noch lebe, doch sie sah mich nur kühl an, zog den Reißverschluss der Plastikhülle über meinen Augen zu und sperrte mich nach einer kurzen Fahrt hier ein. Hier, wo ich nichts höre als... Stille.

(c) Jakob Barton 2009

Wenn dir das Leben Zitronen gibt, mach Falter draus!