Die Selbstgespräche des Mannes, der das Fernglas hielt

Verrückt, wieso ist sie denn jetzt schon zu hause? Sonst kommt sie doch Dienstags erst gegen halb neun wenn es schon dunkel ist, jetzt habe ich die ganzen Spiegelungen der Fensterscheiben im Bild. Zieht sie sich jetzt wirklich um? Nein. Doch! Aber, geh jetzt bitte nicht in die Küche, geh jetzt bloß nicht in die Küche. Verdammt! Was will sie denn in der Küche? Das macht doch gar keinen Sinn und außerdem kann ich sie dort nicht sehen. Verdammter Mist, wirklich. Jetzt heißt es warten.

Wo bleibt sie denn? Da ist sie ja wieder! Ach sie war im Bad und trägt jetzt ein Handtuch um die Haare gebunden. Sonst ist sie nackt. Wahnsinn! Nur was hat sie da in der Hand? Sieht aus wie ein Lippenstift. Aber, was macht sie denn da? Sie schreibt etwas an die Fensterscheibe, in Spiegelschrift. Da steht: 'Warum kommst du nicht rüber?' Was? Meint sie mich? Wieso sieht sie mich denn überhaupt? Verdammtes Tageslicht! Was mach ich denn jetzt? Jetzt sieht sie mich auch noch unverhohlen an. Und ihr m-m-makelloser nackter Körper... Ich hab doch, aber, ich müsste doch erst duschen, oder? Und wenn das eine gemeine Falle ist? Man, man, man, man, man! OK. Ich mach's. Ich geh rüber, ich geh jetzt zu ihr rüber, ich geh jetzt zu ihr, ich geh jetzt!“

(c) Jakob Barton 2009

Wenn dir das Leben Zitronen gibt, mach Falter draus!